09.03.2017 - Umsetzung der vereinfachten Pflegedokumentation

Ende Februar 2017 nahmen bereits rund 11.000 Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen an der Umsetzung der neuen Pflegedokumentation teil. Das sind rund 45 Prozent aller Pflegeeinrichtungen. Das Projekt Ein-STEP (Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation) ist eine Initiative zur Neuausrichtung der Dokumentationspraxis in der ambulanten und stationären Langzeitpflege und wird bis Oktober 2017 fortgeführt. Außerdem soll es auf die Tages- und Kurzzeitpflege ausgeweitet werden.


Die konzeptionelle Anpassung des Strukturmodells an die besonderen Anforderungen der Tagespflege und der Kurzzeitpflege wurden jeweils in einem Praxistest erprobt. Am Praxistest haben 38 Tagespflegeeinrichtungen und 12 Kurzzeitpflegeeinrichtungen teilgenommen. Unterschiede in der entbürokratisierten Arbeit bestehen zwischen vollstationären Einrichtungen und Tagespflegeeinrichtungen zum Beispiel in Bezug auf die Maßnahmenpläne. Bei der Tagespflege gibt es speziell auf Aktivierung und Mobilisierung spezialisierte Maßnahmenpläne. Wohingegen im Bereich der Kurzzeitpflege nun ein Formular aufgenommen wurde, in dem Informationen für die Planung der Entlassung gesammelt werden. Sowohl im Bereich der Kurzzeit- als auch der Tagespflege wird den pflegebedürftigen Menschen nun im Rahmen der Strukturierten Informationssammlung (SIS) die Frage gestellt: "Was bringt Sie zu uns?"  


Entwicklung: Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Herr Laumann, hatte gemeinsam mit der ehemaligen Ombudsfrau zur Entbürokratisierung in der Pflege, Elisabeth Beikirch, und dem Projektbüro "EinSTEP" (www.ein-step.de) von Mitte Mai bis Anfang Juli 2015 bundesweit in Veranstaltungen vor Ort für das neue Strukturmodell zur Vereinfachung und Entbürokratisierung der Pflegedokumentation geworben. 


Bereits im Januar 2015 hatte die bundesweite Implementierung der neuen Dokumentation in der Pflege begonnen. Das IGES Institut wurde gemeinsam mit der Expertin Elisabeth Beikirch mit der Einrichtung des Projektbüros zur flächendeckenden Umsetzung des Projekts "Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation" beauftragt. Das Projektbüro hatte zum 1. Januar 2015 seine Arbeit aufgenommen mit der Aufgabe, die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bundesweit bei der Umsetzung der neuen Pflegedokumentation (sogenanntes "Strukturmodell") zu unterstützen. Ursprüngliches (und schon jetzt weit übertroffenes) Ziel war es rund 25 Prozent aller Pflegedienste bzw. Pflegeeinrichtungen in Deutschland für die aktive Teilnahme an der Implementierungsstrategie zu gewinnen.  

Das Projektbüro erstellte u. a. einheitliches Schulungsmaterial und schulte von den Trägerverbänden benannte Multiplikatoren in der Anwendung des Strukturmodells. Diese führen ihrerseits nun Schulungen durch, entwickeln und koordinieren Konzepte und erläutern juristische Aspekte. Sie sind Ansprechpartner für alle teilnehmenden Einrichtungen. Die individuelle Begleitung der einzelnen Einrichtungen wird so durch die jeweiligen Trägerverbände sichergestellt. Bereits im Mai 2015 wurden zusammen mit dem Medizinischen Dienst der Sozialversicherung (MDS) auch insgesamt 120 Multiplikatoren des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung), der Heimaufsicht und des Prüfdienstes der privaten Krankenversicherungen hinsichtlich des neuen Strukturmodells geschult.


Die wichtigsten Eckpunkte einer veränderten Dokumentationspraxis sind:

 

  1. Individualität und Selbstbestimmung des Pflegebedürftigen müssen stärker beachtet werden.
  2. Grundstruktur des schriftlichen Pflegeprozesses besteht aus vier Schritten (strukturierte Info-Sammlung – SIS, auf der Grundlage der SIS erfolgt eine individuelle Pflege- und Maßnahmenplanung, daraus resultieren eine veränderte Vorgehensweise mit dem Pflegebericht mit dem Fokus auf Abweichungen und das Festlegen entsprechender Evaluationsdaten).
  3. Begrenzung der Anamnese auf fünf wissenschaftlich basierte Themenfelder (z. B. Mobilität und Beweglichkeit bzw. Leben in sozialen Beziehungen), zurzeit werden noch 13 Themenfelder überprüft. 
  4. Praxisnahe fachliche Gestaltung im Umgang mit der Risikoeinschätzung (Matrix)
  5. In der stationären Pflege keine Einzelleistungsnachweise in der Grundpflege für routinemäßig wiederkehrende Abläufe, allerdings weiterhin bei behandlungspflegerischen Maßnahmen. 
  6. Aufzeichnungen im Pflegebericht nur bei Abweichungen von der Routineversorgung.
  7. Verbindliche Vorgaben des internen QM sowie das Vorhandensein standardisierter Leistungsbeschreibungen bedingen eine haftungsrechtliche Absicherung.


Auf die Vorlage einer Musterdokumentation wurde bewusst verzichtet. Die individuellen fachlichen Gegebenheiten in den einzelnen Einrichtungen sollen auch weiterhin erhalten bleiben.

Auf der Internetseite des Bevollmächtigten für die Pflege

finden Sie umfangreiche Informationen und weiterführende Links zu den Hintergründen und den Ergebnissen des Projekts sowie Antworten auf die häufigsten Fragen zum Stand der flächendeckenden Implementierung des Strukturmodells. Wenn Sie darüber hinaus Fragen haben und das neue Strukturmodell in Ihrem ambulanten Pflegedienst oder in Ihrer stationären Einrichtung umsetzen wollen, können Sie mithilfe des auf der o. g. Website verfügbaren Online-Formulars direkt Kontakt aufnehmen. Das Projektbüro bzw. Ihr jeweiliger Trägerverband werden Sie bei der Umsetzung unterstützen.