22.08.2018 - Neues Verfahren für Qualitätsprüfungen in der Pflege ab Sommer 2019

Es wird voraussichtlich ab Sommer 2019 ein neues Verfahren zur Prüfung und Darstellung der Pflegequalität für den stationären Sektor geben. Im ambulanten Bereich wird es wahrscheinlich erst im Jahr 2020 zu einer Anpassung kommen.


Die Darstellung der Pflegenoten ist zunehmend in die Kritik geraten, weil Defizite in der Versorgungsqualität für den Verbraucher oft nicht einfach erkennbar sind. Damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Pflegeeinrichtungen künftig qualitativ besser unterscheiden können, hat der Gesetzgeber mit dem PSG II im Jahre 2016 den Qualitätsausschuss Pflege eingerichtet und beauftragt, durch wissenschaftliche Projekte ein neues Prüfverfahren und eine Alternative zur derzeitigen Pflegenotendarstellung zu entwickeln.


Das Institut für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld und das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua-Institut) in Göttingen erarbeiten seit Januar 2017 konkrete Umsetzungsvorschläge, die noch in diesem Sommer vorgestellt werden sollen.


Geplant ist, das System der internen Qualitätssicherung, der externen Qualitätsprüfung und der Qualitätsdarstellung grundlegend neu zu gestalten.


Zunächst muss sich der Qualitätsausschuss Pflege, in dem die Pflegekassen und die Leistungserbringer vertreten sind, auf das neue Prüfverfahren verständigen. Danach müssen die Qualitätsvereinbarungen, die Qualitätsprüfungs-Richtlinien und die Qualitätsdarstellungsvereinbarung erarbeitet werden.


Das neue MDK-Prüfverfahren wird dabei noch stärker die bewohnerbezogene Qualität ins Zentrum der MDK-Qualitätsprüfung rücken. Zentrale Beurteilungsgrundlagen sind dabei die Inaugenscheinnahme der Pflegebedürftigen und die Fachgespräche mit den pflegenden und betreuenden Fachkräften. Die Pflegedokumentation wird künftig nur noch eine ergänzende Informationsquelle zur Bewertung der Pflegequalität sein.


Bei der Bewertung der Qualität wird in Zukunft zwischen Ergebnisdefiziten, Prozessdefiziten und Dokumentationsdefiziten unterschieden. 15 Ergebnisindikatoren sollen in die Prüfung mit einfließen. Außerdem werden stärker Prozessindikatoren erhoben und abgebildet. 

So z. B.: Welche Maßnahmen zur Ernährung und Flüssigkeitsversorgung werden umgesetzt?

Wie wird mit der Schmerzerfassung umgegangen?


Bei den Prüfinhalten werden neue Themen wie die Förderung der Mobilität, die Unterstützung bei herausforderndem Verhalten und die soziale Betreuung stärker gewichtet werden. Auch auf den Umgang mit Schmerzen wird ein stärkerer Fokus gelegt werden. Auf der anderen Seite werden die einrichtungsbezogenen Strukturprüfinhalte wie zum Beispiel die Ausstattung und die infrastrukturelle Anbindung des Heims gestrafft werden.


Das neue Verfahren soll frühestens ab dem 1. Juli 2019 angewendet werden können.


Und auch die sogenannte Qualitätstransparenz – also das bisherige Darstellen der Pflegequalität in Pflegenoten − wird sich grundlegend verändern.


Die Qualitätsdarstellung soll zukünftig auf drei Säulen stehen:


  • Ausgewählte MDK-Prüfergebnisse,
  • von den Pflegeeinrichtungen selbst erhobene Qualitätsdaten (z. B. Gewichtsverlust, Dekubitusrate)  und
  • Informationen der Einrichtungen zu ihrer Struktur, wie zum Beispiel zu den Zimmern und zur Erreichbarkeit mit öffentlichem Nahverkehr.




Quelle: Pressegespräch, MDK Kongress, 28. Juni 2018