08.06.2022 - GKV: Änderungen bei „Midi-Jobs“ ab Oktober 2022

Was sind Midi-Jobs?

Beschäftigungen mit Arbeitsentgelten im Bereich von zurzeit 450,01 Euro bis 1300 Euro monatlich werden als so genannte Midi-Jobs oder Beschäftigungen im Übergangsbereich (vorher: Beschäftigungen in der Gleitzone) bezeichnet. Arbeitsentgelte in dieser Entgeltspanne unterliegen der Beitragspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung. Von diesen zu unterscheiden sind die Mini-Jobs, hier liegt das Arbeitsentgelt unter der Geringfügigkeitsgrenze (zurzeit 450 Euro/Monat).

 

Eine Besonderheit bei den Midi-Jobs: Bei der Bemessung der Arbeitnehmerbeiträge wird ein reduziertes beitragspflichtiges Arbeitsentgelt zugrunde gelegt. Arbeitgeber zahlen hingegen für das gesamte Arbeitsentgelt grundsätzlich den vollen Arbeitgeberanteil ein, das heißt, sie tragen die Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitrages von rund 20 Prozent. Der von den Beschäftigten zu zahlende Beitrag steigt linear von rund elf Prozent am Anfang des Übergangsbereichs bis zum vollen Arbeitnehmeranteil, also bis zur Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitrages, an. Die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge im Übergangsbereich führen nicht zu niedrigeren Rentenleistungen.

 

Was ändert sich?

Durch das Gesetz wird der Mindestlohn zum 1. Oktober 2022 auf 12 Euro/Stunde erhöht. Zu diesem Zeitpunkt steigt die Verdienstgrenze für Midi-Jobs von 1.300 auf 1.600 Euro.  Dies sieht das "Gesetz zur Erhöhung des Schutzes durch den gesetzlichen Mindestlohn und zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung" vor. Das Gesetz ist nicht zustimmungsbedürftig und hat den Bundestag am 3. Juni 2022 passiert. Darüber hinaus wird die Beitragsberechnung und -verteilung bei Midi-Jobs angepasst.

 

Die Obergrenze des Übergangsbereichs wird bei 1.600 Euro festgeschrieben. Zukünftig wird der Einstieg in den Übergangsbereich dynamisch sein. Er ist an die Höchstgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungen (Mini-Jobs) gekoppelt. Aktuell liegt die Geringfügigkeitsgrenze noch bei 450 Euro monatlich. Ab Oktober 2022 wird der Einstieg in den Übergangsbereich durch den jeweiligen Mindestlohn (10 Arbeitsstunden zum Mindestlohn pro Woche, hochgerechnet auf den Monat) bestimmt. Das sind dann ab dem 1. Oktober 520,01 Euro.

 

Der AG Beitragsanteil wird mit der Änderung nicht mehr ausschließlich vom vollen Entgelt berechnet, sondern zunächst auf die für einen Minijob zu leistenden Pauschalbeiträge (28 Prozent) angeglichen. Innerhalb des Übergangsbereichs wird der Satz dann gleitend auf den regulären Sozialversicherungsbeitrag abgeschmolzen.

 

 

Übergangsregelung bis Ende 2023

Ab 1. Oktober 2022 würden durch die neuen Verdienstgrenzen bisher versicherungspflichtige Beschäftigungen im Übergangsbereich als Mini-Job versicherungsfrei, wenn das Entgelt zwischen 450,01 Euro und 520,00 Euro liegt. In diesen Fällen gilt die Versicherungspflicht bis längstens 31. Dezember 2023 fort. Der Arbeitnehmer kann sich jedoch auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen.